Schleppschlauchpflicht - wie weiter?

Ab 2022 müssen Flächen mit einer Hangneigung bis 18% «emissionsarm» gegüllt werden.

In der Luftreinhalteverordnung (LRV), welche ab 2022 in Kraft tritt, ist festgehalten, dass Flächen mit einer Hangneigung bis 18 % «emissionsarm» gegüllt werden müssen. Diese Pflicht gilt nicht für Betriebe, welche weniger als 3 ha begüllbare Fläche haben. Als emissionsarme Verfahren gelten Schleppschlauch- oder Schleppschuhverteiler, Schlitzdrillverfahren oder eine schnelle Einarbeitung im Ackerbau.

Da der Vollzug mit Umsetzung und Kontrolle noch nicht erarbeitet ist und die für die flächendeckende Anwendung benötigte Anzahl Geräte nicht zur Verfügung steht, wird die Massnahme voraussichtlich nicht vor 2023 sanktioniert.

Zu der mit emissionsmindernden Verfahren begüllbaren Fläche zählt die düngbare Fläche mit Ausnahmefolgender Kulturen und Flächen:

Wenig intensiv genutzte Wiesen (Kulturcode 612)

Reben (Kulturcode 701, 717, 735)

Permakultur (Kulturcode 725)

Obstanlagen (Kulturcode 702, 703, 704)

Andere Obstanlagen (Kulturcode 731)

Hochstammfeldobstbäume der Qualitätsstufe 2 (Kulturcode 921, 922, 923)

Einzelflächen von weniger als 25 Aren

 

Ausnahmen sind vorgesehen, wenn auf Flächen emissionsmindernde Ausbringverfahren:

a) aus Sicherheitsgründen nicht anwendbar sind
b) aufgrund der Zufahrt die Erreichbarkeit nicht möglich ist oder
c) wenn der Einsatz wegen knapper Platzverhältnisse nicht möglich ist.

Die Details und Umsetzungen dieser Bestimmungen werden nun auf kantonaler Stufe ausgearbeitet.

Wie finde ich heraus, ob ich von der Pflicht betroffen bin?

Die Hangneigung von 18% deckt sich mit dem Kriterium der Hangbeiträge. Eine automatische Auswertung, um direkt herauszufinden ob und wie der eigene Betrieb vom Obligatorium betroffen ist besteht noch nicht. Ein erster Anhaltspunkt kann die hinterlegte Fläche des Hangbeitrages nach Bewirtschaftungseinheit im Flächenverzeichnis liefern.

Im Agriportal ist eine Hintergrundkarte mit der Bezeichnung «Hangneigung» verfügbar, mit welcher die Hangneigung der Betriebsfläche angezeigt werden kann.

Wie weiter?

Jetzt geht es darum, dass der Kanton die Umsetzung des Vollzuges ausarbeitet. Insbesondere sind hier die Ausnahmen im Einzelfall bezüglich Sicherheit, Erreichbarkeit und Platzverhältnisse zu behandeln und praxistauglich umzusetzen. Die Arbeitssicherheit muss eine hohe Priorität haben. Es ist wichtig, dass die Massnahme mit Augenmass und im Dialog mit der Praxis umgesetzt wird.

Der Vollzug der LRV im Kanton St.Gallen soll nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit den umliegen-den Kantonen erfolgen. Dazu werden aber noch detaillierte Angaben des Bundes benötigt, welche noch nicht vorliegen. Neue Erkenntnisse und Details werden hier laufend ergänzt und publiziert. Für definitive Aussagen wird man sich aber noch in Geduld üben müssen.

In Koordination mit dem Schweizerischen Verband für Landtechnik prüft der Schweizer Bauernverband die Problematik der Lieferengpässe und sucht diesbezüglich Lösungen mit den Bundesämtern.

Weiterführende Informationen

BLW Massnahmen zur Verminderung der Ammoniakemissionen

In der "Vollzugshilfe Umweltschutz in der Landwirtschaft", Modul "Nährstoffe und Verwendung von Düngern in der Landwirtschaft", Kapitel 3.6 und 3.6 (Seite 25) finden Sie weitere Informationen zur Umsetzung.