Landwirtschaftliches Verordnungspaket 2023/2024

Der Bundesrat hat das erste Verordnungspaket für sauberes Trinkwasser und eine nachhaltigere Landwirtschaft verabschiedet. Damit wird ein erster Teil der parlamentarischen Initiative 19.475 «Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» umgesetzt. Mit dem Verordnungspaket treten per 1. Januar 2023 einige Änderungen für die schweizerische Landwirtschaft in Kraft.

Aufgrund der vielen Neuerungen, gibt das Landwirtschaftsamt allen St. Galler Betrieben bei der Strukturdatenerhebung im Februar 2023 nochmals die Möglichkeit, die im August 2022 gemachten Programmanmeldungen zu überarbeiten und An- oder Abmeldungen zu tätigen.

Nährstoffbilanz

Die Fehlerbereiche von plus 10% bei Stickstoff und Phosphor werden per 2024 aufgehoben. Die Nährstoffbilanz 2024 darf somit bei maximal 100% abgeschlossen werden.

Biodiversität

Sofern ein Betrieb mehr als 3 ha offene Ackerfläche in der Tal- und Hügelzone nutzt, müssen mindestens 3.5% der Ackerfläche als Biodiversitätsförderflächen bewirtschaftet werden. Die-se Bestimmung tritt 2024 in Kraft.

Pflanzenschutzmittel

  • Wirkstoffe mit erhöhten Risikopotenzialen für Oberflächengewässer oder Grundwasser dürfen grundsätzlich nicht mehr angewendet werden.
  • Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen müssen Massnahmen gegen die Abdrift und Ab-schwemmung von Pflanzenschutzmitteln umsetzen.
  • Pflanzenschutzgeräte mit mehr als 400l Tankinhalt müssen über einen Spühlwassertank und eine automatische Spritzeninnenreinigung verfügen.

Verzicht auf Pflanzenschutzmittel (ehemals Extenso)

Verzicht auf den Einsatz von Wachstumsregulatoren, Fungizide, Insektizide und Stimulatoren der natürlichen Abwehrkräfte. Dies muss wie bisher auf allen Flächen einer Kultur eingehalten werden.

Verzicht auf Herbizide

Gilt von der Ernte der Vorkultur bis zur Ernte der Hauptkultur und muss auf allen Flächen einer Kultur eingehalten werden. Bandbehandlungen auf max. 50% der Fläche ab der Saat sind erlaubt.

Angemessene Bedeckung des Bodens

Auf der offenen Ackerfläche dürfen höchstens sieben Wochen zwischen der Ernte einer Kultur und der Ansaat einer neuen Kultur oder einer Gründüngung liegen.

Schonende Bodenbearbeitung

Zwischen der Ernte der vorherigen Hauptkultur und der Ernte der geplanten Hauptkultur wird kein Pflug eingesetzt. Folgende Verfahren werden unterstützt: Direktsaat, Mulchsaat, Streifenfrässaat und Strip-Till.

Effizienter Stickstoffeinsatz

Betriebe, die in der Nährstoffbilanz beim Stickstoff bei maximal 90% abgeschlossen haben, erhalten einen Beitrag für ihre Ackerflächen.

Getreide in weiter Reihe

Min. 40 % der Reihen bleiben ungesät und der Reihenabstand beträgt min. 30 cm. Untersaaten mit Klee oder Klee-Grasmischungen sind erlaubt. Unkräuter dürfen im Frühjahr entweder durch einmaliges Striegeln bis zum 15. April oder durch eine einmalige Herbizidanwendung bekämpft werden. Im Herbst sind Herbizidanwendung und Striegeln erlaubt. Pflanzenschutzbehand-lungen mit Produkten anderer Kategorien als Herbiziden (z. B. Fungizide) sind nicht eingeschränkt.

Nützlingsstreifen auf offener Ackerfläche

Müssen in Streifen von 3–6 m Breite über die ganze Länge der Ackerkultur angelegt werden und mind. 100 Tage bestehen. Die Nützlingsstreifen dürfen weder gedüngt noch mit PSM behandelt werden (ausser Einzelstockbehandlungen).

Verzicht auf Insektizide, Akarizide und Fungizide nach der Blüte

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nach der Blüte ist auf Mittel beschränkt, welche in der Verordnung des WBF über die biologische Landwirtschaft Anhang 1 gelistet sind. Der Kupfereinsatz darf pro Hektare und Jahr den festgelegten Wert nicht überschreiten.

Bewirtschaftung mit Hilfsmitteln der biologischen Landwirtschaft

Die Anforderungen müssen während vier aufeinanderfolgenden Jahren erfüllt werden, ausser wenn der gesamte Betrieb während der Verpflichtungsdauer auf die biologische Landwirtschaft gemäss der Bio-Verordnung umstellt.

Verzicht auf Herbizide

Die Anforderungen müssen auf der Fläche während vier aufeinanderfolgenden Jahren eingehalten werden.

Angemessene Bedeckung des Bodens im Rebbau

Mind. 70 % der Fläche zwischen den Reihen ist ganzjährig bedeckt (spontan oder angesät). Der Traubentrester wird auf die Rebfläche zurückgebracht und verteilt (ist in der Nährstoffbilanz abzubilden).

Nützlingsstreifen

Ansaat vor dem 15. Mai, zwischen den Reihen, auf mind. 5 % der Fläche der angemeldeten Dauerkulturfläche. Die Verpflichtungsdauer beträgt 4 Jahre. Düngung und PSM sind nicht erlaubt (ausser Einzelstockbehandlungen).

Verzicht auf Insektizide und Akarizide

Die Anmeldung erfolgt flächenweise, Verzicht auf jegliche chemisch-synthetische und auch bio-taugliche Insektizide und Akarizide, Mikro- und Makroorganismen sowie Grundstoffe sind erlaubt, Pheromone sind erlaubt.

Verzicht auf Herbizide

Beiträge werden für einjähriges Freilandgemüse ohne Konservengemüse ausgerichtet. Bandbehandlungen auf max. 50% der Fläche ab der Saat sind erlaubt.

Angemessene Bedeckung des Bodens

Auf dem gesamten Betrieb ist ganzjährig 70 % der Fläche mit einer Kultur oder Zwischenkultur belegt. Betriebe, die teilnehmen, müssen gleichzeitig die Bestimmungen der angemessenen Bedeckung des Bodens bei allen anderen Kulturen auf der offenen Ackerfläche erfüllen.

Schonende Bodenbearbeitung

Zwischen der Ernte der vorherigen Hauptkultur und der Ernte der geplanten Hauptkultur wird kein Pflug eingesetzt. Folgende Verfahren werden unterstützt: Direktsaat, Mulchsaat, Streifenfrässaat und Strip-Till.

Effizienter Stickstoffeinsatz

Betriebe, die in der Nährstoffbilanz beim Stickstoff bei maximal 90% abgeschlossen haben, erhalten einen Beitrag für ihre Ackerflächen.

Nützlingsstreifen auf offenen Ackerflächen

Müssen in Streifen von 3–6 m Breite über die ganze Länge der Ackerkultur angelegt werden und mind. 100 Tage bestehen. Die Nützlingsstreifen dürfen weder gedüngt noch mit PSM behandelt werden (ausser Einzelstockbehandlungen).

RAUS-Weide

Neu wird in RAUS(-Basis) und RAUS-Weide unterschieden. Tieren der Kategorie A (Rindergattung und Wasserbüffel) im RAUS-Basis muss vom 1. Mai bis 31. Oktober während 26 Tagen/Monat eine Weidefläche von 4 Aren/GVE zur Verfügung stehen. Der Winterauslauf vom 1. November bis 30. April bleibt bei 13 Tagen/Monat.

Bei RAUS-Weide sind mehrere Punkte zu beachten:

  1. Wenn eine Kategorie für RAUS-Weide angemeldet wird, müssen alle übrigen Rindviehkategorien mindestens für RAUS-Basis angemeldet sein und die Anforderungen erfüllen. Das heisst, dass auch Tränkekälber und Mastkategorien RAUS-Basis erfüllen müssen.
  2. Tierkategorien welche bei RAUS-Weide angemeldet sind, müssen vom 1. Mai bis 31. Oktober mindestens 26 Tage/Monat auf einer Weide verbringen. Dabei müssen 70% des täglichen TS-Verzehrs mit Weidefutter gedeckt werden.
  3. Der Winterauslauf vom 1. November bis 30. April ist an mindestens 22 Tagen/Monat auf einer Auslauffläche oder Weide zu gewähren (bisher 13 Winter-Auslauftage).

Beim RAUS-Weide Programm wird nur eine geringe Ergänzungsfütterung im Stall möglich sein. Betriebe mit Stunden- oder Halbtagesweidesystem können die Vorgaben nicht erfüllen.

Längere Nutzungsdauer von Kühen

Neu wird die längere Nutzungsdauer von Kühen gefördert. Massgebend für die Ermittlung der Nutzungsdauer ist die durchschnittliche Anzahl Abkalbungen der in den vorangehenden drei Jahren geschlachteten Kühe des Betriebs. Beiträge werden ausgerichtet, wenn für Milchkühe durchschnittlich mehr als drei Abkalbungen und für andere Kühen mehr als vier Abkalbungen ausgewiesen sind.

Die finanzielle Unterstützung für den Kauf von Geräten zur präzisen Applikationstechnik beim Pflanzenschutzmitteleinsatz wird um zwei Jahre bis Ende 2024 verlängert.

Die Förderung der stickstoffreduzierten Phasenfütterung von Schweinen wird bis Ende 2026 mit gleich hohen Beiträgen fortgeführt. Die Anforderungen werden aber differenziert nach Tierkategorien festgelegt. In der Schweinemast müssen ab 2024 mindestens zwei Futterrationen mit unterschiedlichen Rohproteingehalten eingesetzt werden.

  • Der Basisbeitrag für die Versorgungssicherheit wird von 900 auf 600 Fr./ha gesenkt. Für Biodiversitätsförderflächen auf Dauergrünland wird der Betrag von 450 auf 300 Fr./ha gesenkt.
  • Die Produktionserschwernisbeiträge werden von der Hügel- bis zur Bergzone IV um 150 bis 230 Fr./ha erhöht.
  • Die Begrenzung der Direktzahlungen je Standardarbeitskraft und der Beiträge für die Qualitätsstufe I Biodiversität wird aufgehoben