Die beiden extremen Agrar-Initiativen verfehlen das Ziel, gefährden die regionale, einheimische Produktion und verteuern die Lebensmittel!

Die beiden Initiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» gehen weit über die Themen Trinkwasser oder Pflanzenschutzmittel hinaus. Obwohl sie berechtigte Themen ansprechen, sind sie viel zu extrem und nicht zielgerichtet. Sie erschweren bis verunmöglichen die einheimische, regionale Produktion und verteuern die Lebensmittel. Erfahren Sie, warum auch die Umwelt nicht davon profitiert und welche Folgen die beiden Initiativen für Sie als Konsumentin oder Konsument und die Schweiz generell hätten.

Die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» fordert, dass Betriebe, die chemisch-synthetische oder natürliche Pflanzenschutzmittel einsetzen oder Futter für ihre Tiere zukaufen, keine Direktzahlungen mehr erhalten.

Obwohl die Bauernfamilien viele vorbeugende Massnahmen treffen, können sie nicht immer verhindern, dass Krankheiten oder Schädlinge ihre Obstanlagen, Gemüsefelder, Rebstöcke oder andere Kulturen befallen und damit die Ernte bedrohen. Für diesen Fall sind sie darauf angewiesen, dass sie diese mit von den Behörden bewilligten Mitteln behandeln können. Immer öfters kommen biologische Mittel zum Einsatz.

Hühner und Schweine sind keine Grasfresser, sondern wie wir Menschen Allesfresser. Sie ernähren sich von Getreide und anderen Ackerkulturen. Nicht jeder Betrieb verfügt über ausreichend oder überhaupt ackerfähige Fläche. Vor allem jene im Hügel- und Berggebiet nicht. Die wenigstens könnten deshalb ihre Schweine oder Hühner nur mit betriebseigenem Futter ernähren.

Da ihnen die Direktzahlungen mit der Trinkwasser-Initiative verweigert würden, müssten sie auch die damit verbundenen ökologischen Auflagen nicht mehr erfüllen oder sie geben die Produktion ganz auf. Die Konsequenzen wären:

Weniger Produktion im Inland und mehr Lebensmittel-Importe

Eine Verschlechterung der Umweltbilanz, respektive Export der negativen Umwelteffekte ins Ausland

Eine starke Erhöhung der Preisen von einheimischen Lebensmitteln

Die Gefährdung von Arbeitsplätzen in der gesamten Wertschöpfungskette

 

 

Auswirkungen der Trinkwasser-Initiative auf die Konsumenten und die Schweiz generell

Verzichtet die Landwirtschaft komplett auf Pflanzenschutzmittel – auch solche natürlichen Ursprungs wie es die Initiative verlangt – sinkt die Produktionsmenge um bis zu 40%. Das gilt sowohl für die Bio- auch als herkömmliche Landwirtschaft. Höhere und sogar komplette Ernteausfälle sind nicht auszuschliessen. Gewisse Kulturen wie Kartoffeln, Raps oder Zuckerrüben gäbe es in der Schweiz wohl nicht mehr.

Für die meisten Geflügel- und Schweinehalter ist es nicht möglich, ihre Tiere ohne Futterzukauf zu ernähren. Es fehlt ihnen die dafür nötige Ackerfläche. Die einheimische Produktion würde rar und sehr teuer. Produkte aus der ausländischer Massentierhaltung würden inskünftig die Lücken in unseren Regalen füllen.

Der Verzicht auf jegliche Pflanzenschutzmittel und die Auflage des betriebseigenen Futters wäre mit hohen Mehrkosten verbunden. Gleichzeitig würde das inländische Angebot sinken. Beides würde sich im Ladenpreis niederschlagen und zu höheren Preise für das Essen führen. Herkunft Schweiz wäre bei vielen Produkten nur noch für Gutbetuchte erschwinglich. Das gilt nicht nur für das Angebot in den Läden, sondern auch in den Restaurants.

Um die Versorgung der Schweizer Bevölkerung trotz einer drastischen Reduktion der einheimischen Produktion sicherzustellen, müssten zwangsweise viel mehr Lebensmittel importiert werden. Dies wäre ein ökologischer Unsinn. Statt die Umwelt zu entlasten, würde sie zusätzlich belastet.

Im Ausland produzierten Lebensmittel stammen aus Produktionsbedingungen, die bezüglich Ökologie und Tierwohl nicht mit dem Schweizer Standard mithalten können. Beanstandungen aufgrund von Pestizid-Rückständen sind bei importierten Lebensmitteln bis zu fünfmal höher. Da, im Falle einer Annahme der Initiative, viel mehr Lebensmittel importiert werden müssten, würden inskünftig Esswaren von schlechterer Qualität auf unseren Tellern landen.

Mit der Annahme der Initiative ginge der Selbstversorgungsgrad von aktuell fast 60% auf unter 40% zurück. In Zeiten von erschwerten Importbedingungen – wie z.B. im Falle eines erneuten Pandemie-Lockdowns – könnte dies sichere Versorgung der Schweiz mit Lebensmitteln bedrohen.

Die Initiative würde die Inlandproduktion schwächen und zu mehr Importen führen. Deshalb ist gesamthaft betrachtet die Umweltwirkung negativ, wie eine Studie der Forschungsanstalt Agroscope aufzeigte.

Die Initiative fokussiert nur auf die Landwirtschaft und damit auf den einzigen Sektor, der überhaupt Umweltziele hat und an deren Umsetzung arbeitet. Sinnbildich dafür sind die 64.8 t Industrie- und Haushaltschemikalien, 19.8 t künstliche Süssstoffe oder 16.9 t Arzneimittel, die jedes Jahr den Rhein hinunterfliessen, gegenüber 0.9 t Pflanzenschutzmitteln.

Viele Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie, wie z.B. Getreidekleie aus der Müllereibranche oder Schotte aus der Käseproduktion gelangen über die Nutztierfütterung indirekt wieder in der menschlichen Ernährung. Mit einer Annahme der Initiative wäre dies nicht mehr erlaubt. Wertvolle Futtermittel würden in Biogasanlagen oder in der Kehrrichtverbrennung landen. Ohne Pflanzenschutzmittel können die Bauernfamilien ihre Ernte nicht mehr richtig schützen. Die Folge wäre verfaulende, nicht verkäufliche oder lagerfähige Ware und damit ebenfalls viel Foodwaste. Ökologisch gesehen völlig kontraproduktiv.

Die Schweizer Lebensmittelindustrie ist auf inländische Rohstoffe angewiesen. Nimmt das Angebot ab, lohnt sich die Verarbeitung in der Schweiz nicht mehr. Arbeitsplätze gingen verloren.

Der ökologische Leistungsnachweis bildet die Grundlage für den Erhalt von Direktzahlungen. Dieser legt fest, dass jeder Betrieb eine Mindestfläche für die Biodiversitätsförderung zur Verfügung stellen muss. Wer keine Direktzahlungen erhält, muss auch keine Biodiversitätsflächen anlegen. Im Vordergrund stünde plötzlich, das Maximum aus den bestehenden Ressourcen herauszuholen und nicht deren nachhaltige Nutzung.

Dieses kurze Video zeigt, warum diese Initiative nicht zielführend ist

Die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» will den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln gesamthaft verbieten. Die Händler dürften auch nur noch Lebensmittel importieren, die ohne synthetische Pflanzenschutzmittel produziert worden sind. Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten können so nur noch Bioprodukte pflanzlicher Herkunft kaufen und die Kosten für das Essen würden sich folglich stark erhöhen. Die Gefahr einer schlechteren Produktqualität und -haltbarkeit wären weitere Folgen.

Ob sich die Importauflagen aufgrund unserer WTO-Verpflichtungen (World Trade Organisation) überhaupt durchsetzen liessen, ist noch unklar. Ist dies nicht der Fall, wäre es ein enormer Konkurrenznachteil für die Schweizer Landwirtschaft, die trotzdem zu einem politisch erwirkten Bioland Schweiz werden müsste.

Auswirkungen der Pestizidfrei-Initiative auf die Konsumentinnen und Konsumenten

Die Initiative verbietet den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Der Schutz der Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkräutern muss mit biologischen Mitteln natürlicher Herkunft und mechanischen, alternativen Methoden erfolgen. Mit der Annahme der Initiative würde die Schweiz deshalb zum politisch erwirkten Bioland. Auch importierte Lebensmittel müssten zwingend aus biologischer Produktion stammen. In den Läden gäbe es nur noch Bioprodukte zu kaufen.

 

 

Die biologische Produktion ist mit Mehrkosten verbunden, welche sich im Ladenpreis widerspiegeln. Die Lebensmittel würden sich massiv verteuern. Solche aus der Schweiz wären nur noch für Gutbetuchte erschwinglich. Das gilt nicht nur für das Angebot in den Läden, sondern auch in den Restaurants.

 

 

Die biologische Landwirtschaft bringt tiefere Erträge, ist sehr arbeitsintensiv und bei gewissen Kulturen mit hohen Risiken verbunden. Da die Schweiz hohe Produktionskosten aufweist, wäre die einheimische Produktion gegenüber den Importen im Nachteil. Gesamthaft würde deshalb die Schweizer Produktion sinken und Importe zunehmen.

Um die Versorgung der Schweizer Bevölkerung trotz einer drastischen Reduktion der einheimischen Produktion sicherzustellen, müssten wir zwangsweise mehr Lebensmittel importieren. Dies ist ein ökologischer Unsinn und würde das Ziel einer Verbesserung der Umweltbelastung komplett verfehlen.

 

 

Synthetische Pestizide kommen auch in der Lebensmittelindustrie zur Schädlingsbekämpfung oder als Reinigungs- und Desinfektionsmittel zum Einsatz. Maschinen in der Nahrungsmittelproduktion könnten nicht mehr sachgerecht gereinigt, die Hygiene vom Stall bis zur Backstube nicht mehr garantiert werden. Die Lebensmittelsicherheit wäre nicht mehr gewährleistet. Da auch die Produktqualität und -haltbarkeit weniger sichergestellt wäre, nähme die Gefahr von Foodwaste zu.

 

 

Eine rein biologische Landwirtschaft ist weniger produktiv und braucht deshalb mehr Fläche. Eine britische Studie kommt zum Schluss, dass die Erträge um ca. 40 % sinken würden, falls die Landwirtschaft komplett auf Biolandbau umsteigen würden. Die Ertragsausfälle müssten mit klimaschädlichen Importen ausgeglichen oder zusätzliche Grünfläche in Ackerland umgewandelt werden. Insgesamt verschlechtert sich dadurch die Klimabilanz der Landwirtschaft, die biologische Landwirtschaft durch die mechanische Unkrautbekämpfung häufigere Durchfahrten verlangen.

 

 

Weil keine Wahlfreiheit mehr herrscht und die Preise für Biolebensmittel höher sind, würden Konsumentinnen und Konsumenten mit engem Budget ihre Grosseinkäufe vermehrt im umliegenden Ausland tätigen. Die Initiative deshalb eine Einkaufstourismus-Förderinitiative.

 

 

Da die Schweizer Produktion sinkt, gingen auch in den vor- und nachgelagerten Branchen der Land- und Ernährungswirtschaft Arbeitsplätze verloren. Betriebe in der Lebensmittelindustrie beispielsweise würden ins Ausland verlagert, Jobs im Detailhandel wegen des zunehmenden Einkaufstourismus gestrichen.

 

 

Mit der Annahme der Initiative ginge die inländische Produktion zurück und Importe nähmen zu. In Zeiten von erschwerten Importbedingungen – wie z.B. im Falle eines erneuten Pandemie-Lockdowns – könnte dies die sichere Versorgung der Schweiz mit Lebensmitteln bedrohen.

 

 

Die Initiative fokussiert auf die Landwirtschaft und den Gartenbau. Die aktuell 64.8 t Industrie- und Haushaltschemikalien, 19.8 t künstlichen Süssstoffe oder 16.9 t Arzneimittel würden weiter jedes Jahr den Rhein hinunterfliessen. Pflanzenschutzmittel machen dort lediglich 0.9 t aus.